Feministischer Kampftag am 08.03.2022

Jeder Tag ist feministischer Kampftag und doch bleibt der 8. März ein besonderes Datum im Jahr. Ein Tag, der für jede*n von uns andere Gefühle mit sich bringt. Wut, Trauer und Frustration haben uns wieder auf die Straße gebracht, doch es war auch Raum für Empathie, Verbundenheit und die kleinen Lichtblicke, die sich auftun, wenn wir merken, dass wir nicht allein sind.

Und so haben wir am vergangenen Dienstag bei bestem Wetter mit bis zu 200 Personen den Südermarkt eingenommen. Mit dabei war wieder die großartige Ausstellung zu Care-Arbeit und patriarchaler Gewalt vom Rohrbruch Kiel, die auch viele Passant*innen angelockt hat. Tiefere Gespräche sowie Sticker und Infomaterialien gab es am Infotisch. Mia Mai hat uns mit einem tanzbaren Mix feministischer Musik versorgt.

In den Redebeiträgen wurde auf verschiedene gegenwärtige Kämpfe eingegangen. Besonders vordergründig ist derzeit Putins Krieg gegen die Ukraine. Wir haben ein Manifest russischer Feministinnen gehört, die uns dazu aufrufen, gegen diesen Krieg aktiv zu werden und für einen antimilitaristischen Feminismus einzustehen.

Im nächsten Beitrag ging es um Schwangerschaftsabbrüche, denn die schlechte Versorgungslage mit der bevorstehenden Fusion der Krankenhäuser ist seit 2019 ein besonders relevantes Thema in Flensburg.

Es folgte ein lyrischer Text über Gefühle und insbesondere Wut von BIPoC und Personen, die sich der Geschlechterbinarität widersetzen.

Die nächste Rednerin brachte uns einen Text von Women Defend Rojava mit und informierte so über die feministischen Befreiungskämpfe der Kurd*innen.

Anschließend folgte ein Beitrag zu sexualisierter Gewalt und der Aufruf zu mehr Solidarität unter FLINTA*s.

Den Abschluss machte ein Beitrag über die Wichtigkeit eines intersektionalen Blicks auf feministische Kämpfe: Wir alle sollten immer weiter daran arbeiten, mehrfach marginalisierte Perspektiven in den Fokus zu nehmen und von diesen zu lernen.

Wir danken allen, die diese Kundgebung möglich gemacht haben.

Für Kritik und Anregungen steht wie immer unser Mailfach offen: fem_aktion_fl@riseup.net

Dort kannst du auch hinschreiben, wenn du noch nicht in unserer großen Telegram-Gruppe drin bist, in der feministische Veranstaltungen und Beiträge geteilt werden sowie neue Projekte in Flensburg angestoßen werden können.

Nachfolgend könnt ihr einige der Redebeiträge nachlesen:

Redebeitrag: Feminismus jeden Tag! Statt Rosen am „Frauentag“

Der 8. März ist kein Feiertag in Flensburg und weltweit auch nicht. Wir vom Netzwerk “Feministische Aktion Flensburg“ veranstalten heute eine Kundgebung zum feministischen Kampftag, auch bekannt als Weltfrauentag.

Wir fordern:

  • sofortige Streichung des § 219a StGB und freien Zugang zu Information über Schwangerschaftsabbruch
  • uneingeschränkten Zugang zu legalem Schwangerschaftsabbruch und die Streichung des § 218 aus dem Strafgesetzbuch.

Wir bieten:

  • eine Plattform für feministische Redebeiträge von FLINTA*-Personen (Frauen, Lesben, Inter*, Nichtbinäre, Trans* und Agender Personen)
  • feministische Musik
  • eine kleine und feine Ausstellung zu den Themen Sorgearbeit und patriarchale Gewalt
  • eine Kleiderbügel-Ausstellung rund um das Thema Schwangerschaftsabbruch
  • Wertschätzung für FLINTA* Personen und ihre Bedürfnisse
  • Informationen und Sticker für den feministischen Alltag

Wir haben keinen Platz für:

  • Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, Alter, sozialer Herkunft, sexueller Orientierung, physischer und psychischer Verfassung
  • Rassismus, Antisemitismus, Holocaustverharmlosung und Verschwörungstheorien

Schwangerschaftsabbrüche im geplanten Peelwatt Klinikum:

Das katholische Franziskus Hospital setzt die evangelische DIAKO unter Druck, ab der Fusion 2024 keine Schwangerschaftsabbrüche mehr durchführen zu dürfen. Nur im medizinischen Notfall darf den sogenannten „notleidenden Frauen“ geholfen werden. Die eigentliche Not entsteht durch die Verweigerung der Malteser, Abbrüche bei sozialer Indikation vorzunehmen. Die katholische Ideologie zum Schwangerschaftsabbruch ist die Ursache des Problems. Eine Lösung kann es nur außerhalb der katholischen Moralvorstellungen geben. Die unterlassene medizinische Hilfe bei sozialer Indikation ist ethisch nicht gerechtfertigt.

Wer die Debatte verfolgt, muss leider immer wieder feststellen, dass die Kommunalpolitik sehr wenig Interesse daran hat, sich mit dem Thema angemessen auseinander zu setzen. Der Ausschutzvorsitzende Axel Kohrt (SPD) des SUPA möchte eine Debatte über Schwangerschaftsabbrüche in „seinem“ Ausschuss verhindern. Die Kritik und der Protest werden als Problem identifiziert. Das Spiel heißt „verkehrte Welt“. Die Konservativen von CDU und FDP suggerieren in der aktuellen Stunde in der Ratsversammlung, dass der Protest gegen die katholische Doktrin für „Verunsicherung“ sorgt. Ob ein neues Krankenhaus gebaut wird oder nicht, steht aber gar nicht zur Debatte. Die katholische Ärzteschaft äussert sich in einem Leserbrief und sieht die Finanzierung des Krankenhauses durch den Protest gefährdet. Einer öffentlichen Debatte verweigern sie sich.

Das Land Schleswig-Holstein hat bereits die Finanzierung des Gebäudes zugesichert. Diese ist unabhängig vom Träger des Klinikums. Die kassenärztliche Vereinigung regelt die Bezahlung der medizinischen Leistungen.

Die katholische Arroganz gehört auf den Müllhaufen der Geschichte. Das unsachliche Gesabbel in den Gremien der Stadt Flensburg muss beendet werden. Das bringt uns nicht weiter.“

Wenn am 28.03.22 um 16:00 im Sozialausschuss die Lösungsszenarien vom Arbeitskreis Schwangerschaftsabbruch vorgestellt werden, so werden die Betroffenen schon wieder aus der Debatte ausgeschlossen und ihre Interessen ignoriert. Die Stadt Flensburg darf nicht weiter an Lösungen um die katholische Ignoranz herum „basteln“. Es ist an der Zeit, dass das Franzsikus Hospital Konsequenzen ziehen muss und aus der Trägerschaft für ein zukunftsweisendes Klinikum ausgeschlosssen wird. Wir fordern einen respektvolleren Umgang gegenüber den zukünftigen Patient*innen.

Ein kooperatives medizinisches Versorgungszentrum in unmittelbare Nähe der Altstandorte und nach dem Umzug in unmittelbarer Nähe des Klinikums Peelwatt sind finanzielle Luftschlösser und würden erst recht zu einer Stigmatisierung von ungewollt Schwangeren führen.

Wir fordern:

  • Eine öffentliche Debatte über ernstzunehmende Lösungen für gesundheitlich sichere Schwangerschaftsabbrüche in Flensburg

Wir bringen Offenheit für kreative Lösungen mit:

  • Bürger*innenrat pro Schwangerschaftsabbrüche
  • Die Fusion der kirchlichen Krankenhausträger stoppen
  • Ein Krankenhaus in öffentlicher Hand

 

Redebeitrag:  Women Defend Rojava Deutschland

Liebe Freund:innen, liebe Menschen an diesem Ort

Jeden 08. März wird global deutlich, dass der Kampf um Befreiung international ist. Denn an diesem Tag schließen sich weltweit Frauen, Lesben, trans, inter und nicht-binäre Personen zusammen. Sie zeigen, dass der Widerstand gegen das kapitalistische Patriarchat überall ist, denn nur wenn wir unsere Kämpfe weltweit verbinden, können wir diesem System mit Stärke entgegenstehen.

Deswegen organisieren wir uns als Women Defend Rojava internationalistisch. Dabei beziehen wir uns eng auf die kurdische Freiheitsbewegung und die Revolution in Kurdistan, die den Kampf für die Freiheit der Frau im Zentrum hat. Sie organisiert sich nach den Ideen Abdullah Öcalans und zielt auf eine gesellschaftliche Selbstverwaltung ab. Diese Selbstverwaltung nennt sich Demokratischer Konföderalismus. Sie wird seit 2012 in Nord- und Ostsyrien, einigen auch als Rojava bekannt, real aufgebaut und gelebt. Die Revolution in Rojava basiert auf den Werten der Basisdemokratie, Ökologie und Frauenbefreiung. Wenn wir heute am 8. März auf die Straße gehen, dann tun wir das in internationalistischer Verbundenheit mit den kämpfenden Frauen in Kurdistan und an jedem anderen Ort der Welt.

Der 8. März ist ein Tag des Widerstands, an dem wir auch unserer Verbundenheit mit der Geschichte Ausdruck verleihen wollen. Denn unsere Geschichte ist eine Geschichte des Widerstands. Deswegen möchten wir heute besonders an die Sozialistin Clara Zetkin erinnern. Clara Zetkin hat vor über 100 Jahren mit dem Bewusstsein, dass Frauenkämpfe in verschiedenen Teilen der Welt stattfanden, einen Tag des internationalen Kampfes vorgeschlagen. Später dann etablierte sich der 8. März zum internationalen feministischen und Frauenkampftag. Dieser Tag erinnert uns an unseren ständigen Kampf gegen das männliche Herrschaftssystem, das wir auch Patriarchat nennen.

Das Patriarchat baut auf der Versklavung von Frauen und allen weiteren unterdrückten Geschlechtern auf. Deshalb ist es die größte Gefahr für dieses System, wenn sich Frauen, Lesben, trans, inter und nicht-binäre Personen erheben, rebellieren und von ihren Ketten befreien. Widerständige Frauen, haben schon immer das System ins Wanken gebracht. So ist es der feministische Kampf, den das System am meisten fürchtet und versucht mit allen Mitteln niederzuschlagen.

Wie die patriarchalen Staaten im Kampf gegen unsere Widerstande weltweit zusammenarbeiten, zeigt sich auch am Beispiel unserer internationalistischen Freundin Maria.
Durch ihre enge Verbundenheit mit der kurdischen Frauenbewegung, ihrer katalanischen Herkunft und ihrer Organisierung in Deutschland ist Maria ein Ausdruck für den Zusammenschluss internationalistischer feministischer Kämpfe weltweit. Der deutsche Staat sah sich durch Marias Answeseheit bedroht. Deswegen wurde sie im November letzten Jahres zur Ausreise aus Deutschland gezwungen und ihr wurde zusätzlich ein Einreise- und Aufenthaltsverbot in Deutschland für mehr als 20 Jahre ausgesprochen. Dieses undenkbar hohe Strafmaß ist Ausdruck der großen Angst des Systems vor dem internationalen Zusammenschluss unserer feministischen Kämpfen. Denn diese Kämpfe sind es, die das patriarchale und kapitalistische System zu Fall bringen werden.

Die Repression und der Krieg gegen die kurdische Freiheitsbewegung ist Ausdruck der Angst des kapitalistischen, patriarchalen Systems vor der realen Bedrohung durch die Frauenbefreiung. Im Juni 2021 wurde die HDP-Mitarbeiterin Deniz Poyraz in Izmir von einem türkischen Faschisten ermordet. Gegen Ende des Jahres wurden Nûjiyan Ocalan, Viyan Kobanê und Rojîn Ehmed Îsa –

drei Aktivistinnen der kurdischen Jugendbewegung in Nord- und Ostsyrien – durch einen gezielten türkischen Drohnenangriff getötet. Die Folter und sexualisierte Gewalt in den türkischen Hochsicherheitsgefängnissen führte zum Tod der politischen Gefangenen Garibe Gezer.

Diese Morde sind jedoch keine Einzelfälle! Vielmehr führt der türkische Staat einen Feminizid in Kurdistan durch, um durch die Unterdrückung und Ermordung von Frauen die gesamte Gesellschaft zu unterdrücken. Dabei greift er gezielt die Frauenrevolution in Rojava und jede Frau an, die sich darin organisiert. Tausende Frauen – Aktivist*innen, Politiker*innen, Journalist*innen, Künstler*innen – sind in den türkischen Gefängnissen eingesperrt. Die Angriffe des türkischen Staates gegen die Frauenrevolution in Rojava intensivieren sich von Tag zu Tag.

Das Patriarchat erzeugt Krieg, denn es kann nicht überleben wenn es uns nicht gegeneinander stellt. Der Krieg in der Ukraine ist ein weiteres Beispiel dafür, wie brutal und menschenfeindlich dieses System, welches wir das kapitalistische Patriarchat nennen, ist. Die Ukraine ist ein Ort neben vielen weiteren, wie aktuell Afghanistan und auch viele weitere, wo das sichtbar wird. Unsere Solidarität gilt den Menschen dort. Keinem Staat, keiner Regierung und keiner staatlichen Armee schreiben wir die Hoffnung auf Frieden zu, denn nur die Gesellschaft selbst kann zu Frieden finden.

Deshalb organisieren wir uns und zeigen, dass kein Krieg und keine Repression unseren Kampf aufhalten wird. Mit dem Blick in die Vergangenheit und die Ausgangspunkte unserer weltweiten Kämpfe greifen wir dabei auch auf die Errungenschaften unserer Vorreiter*innen zurück.

Wenn wir unseren Feminismus nicht antikapitalistisch, antirassistisch und damit international denken, wird er immer eine leichte Beute für jeden Aggressor sein. Es braucht eine starke Organisierung aller Frauen, Lesben, trans, inter und nicht-binären Menschen weltweit.

Der Weg zur Befreiung führt über unser organisiertes Handeln. Tragen wir entschlossen unsere Kraft nach außen und machen wir den 08. März zu einem Widerstandstag für Freiheit. Bündeln wir die Kämpfe aller kämpfenden Frauen und weiteren unterdrückten Geschlechter weltweit! Entfachen wir ein Feuer des Widerstands, dass kein Krieg, keine Repression und kein System dieser Welt mehr aufhalten kann. Denn gemeinsam werden wir die Welt verändern – am 8. März und an jedem anderen Tag des Jahres.

Jin Jiyan Azadi!

 

Redebeitrag: Sexismus im Alltag

Es ist Sonntagmorgen, ich bin gerade aufgewacht. Gestern war ich mit Freund*innen in einer Kneipe. Es war lustig, wir haben Bier getrunken. Wir haben getanzt, uns unterhalten, diskutiert. Nach dem Aufwachen geht’s mir schlecht. Ich hab‘ nen leichten Kater, aber vor allem bin ich wütend und frustriert. Ich erinnere mich daran wie der eine Scheißtyp mich bedrängt hat. Ich bin wütend, dass er mich nicht in Ruhe gelassen hat, nachdem ich ihm gesagt habe, dass er sich verpissen soll. Ich bin frustriert, weil all die Dinge, die ich mir schon tausendmal vorher in meinem Kopf zurechtgelegt habe, um auf solche Situationen zu reagieren, einfach weg waren. Ich fühle mich ohnmächtig, handlungsunfähig und überfordert. Ich bin genervt davon, dass ich am Ende die Person war, die gegangen ist. So läuft das jedes Mal, nicht nur bei mir, sondern auch bei vielen anderen FLINTA*. Wir fühlen uns verunsichert und alleine, während die, die übergriffig sind, ihr Scheißverhalten keine einzige Sekunde reflektieren und meist konsequenzenlos so weiter machen können wie zuvor.

Die Erfahrungen, objektifiziert, angemacht oder gegen unseren Willen angefasst zu werden, sind Teil unseres Alltags. Das ist der sexistische Normalzustand, in dem Übergriffe immer wieder bagatellisiert werden. Auch, weil die, die übergriffig werden, die Rückendeckung eines patriarchalen Systems haben. Auf diese Kackscheiße haben wir keinen Bock mehr! Deswegen gehen wir am 8.3. gemeinsam auf die Straße!

Der feministische Kampftag als Reaktion auf bildbasierte sexualisierte Übergriffe die tagtäglich geschehen. Cis-Männer, die heimlich Filmaufnahmen auf Dixie-Toiletten machen und Videos von Personen mit Vulva gegen ihren Willen auf Pornoplattformen veröffentlicht und verkaufen. Die Manipulation und Unterdrückung und Ausbeutung, die am Arbeitsplatz, in Bildungseinrichtungen und auch im eigenen Haushalt für viele FLINTA* zum Alltag gehören. Unsere Stimmen, die nach Jahre langem Kampf noch immer kaum beachtet werden. Nachdem extreme Übergriffe bekannt werden, öffnen Menschen sich zum Teil zahlreich mit weiteren Grenzüberschreitungen. Auf Festivals, in Kollektiven, in politischen Gruppen, auf Partys, bei uns in Freund*innen und Bekanntenkreisen, bei uns zu Hause. Personen, sowohl gesamtgesellschaftlich, als auch in der linken Szene. Wir FLINTA* werden lauter darin, die sexistische und sexualisierte Gewalt, die wir erfahren, sichtbar zu machen. Gleichzeitig versuchen die, die von der patriarchalen Gesellschaftsordnung profitieren, uns unsere Erfahrungen abzusprechen. Wir werden belächelt oder diskreditiert, wenn wir Ungerechtigkeiten sichtbar machen.

Immer und immer wieder redet das Umfeld um die gewaltausübende Person sexistische und sexualisierte Gewalt klein oder ignoriert sie, sodass Täter indirekt unterstützt werden. Und wenn wir ehrlich mit uns sein wollen, müssen wir uns auch fragen, ob wir selbst Teil eines solchen Umfeldes sind, einmal waren oder vielleicht werden könnten. Patriarchale Strukturen und Muster haben wir alle verinnerlicht. Sie lösen Unsicherheiten in uns aus, lassen uns zweifeln, an uns selbst und an anderen. Sie machen uns misstrauisch gegenüber denen, denen wir vertrauen wollen. Ein feministischer Kampf bedeutet patriarchale Strukturen aufzudecken, zu delegitimieren und zu dekonstruieren – und zwar radikal! Es ist die traurige Realität, dass uns die Erfahrungen von patriarchaler Gewalt und der daraus resultierenden Ohnmacht verbinden. Es kostet viel Kraft und es kann schmerzhaft sein, diese Strukturen zu erkennen, zu bekämpfen und zu überwinden. Uns FLINTA* verbindet aber auch unsere Stärke, unser Mut und unser unbrechbarer Wille, gegen patriarchale Zustände Widerstand zu leisten. Wir sind ungehorsam, wir sind wütend und wir werden diese Zustände nicht weiter auszuhalten!

Der feministische Kampftag soll ein Raum sein, wo wir als FLINTA* Kraft aus der kollektiven Wut ziehen, die wir auf die Straße tragen. Lasst uns Verbündete sein, anstatt in Konkurrenz zueinander zu stehen. Wir wollen einander vertrauen und uns aufeinander verlassen können. Wir wollen zu einer Community werden in der wir voneinander lernen, uns gegenseitig stärken und solidarisch miteinander sind, um uns gegen Macker und Patriarchat zur Wehr zu setzen! Lasst uns laut und entschlossen zeigen, was wir von Mackertum und patriarchaler Gewalt halten! PATRIARCHAT ABSCHAFFEN – JETZT!

Redebeitrag: The future is intersectional

8. März, feministischer Kampftag. Ich öffne Instagram, sehe einen Post warum es feministischer Kampftag heißt und nicht Weltfrauentag und wage ein Blick in die Kommentarspalte. Seltsam naiv von mir, dabei habe ich mir doch schon vorher gedacht, was für einen trans*-, inter- und non-binär- feindlichen Müll ich da lesen werde. Da braucht es nichtmal die Störche und Schwarzer dieser Welt, Transfeindlichkeit, ist geradezu am boomen. Wer die Realität von trans* und nicht-binären Personen kennt, weiß, dass Deadnaming und Misgendern geradezu auf der Tagesordnung steht. Dass AFD-Nazis tun, was Nazis nun eben tun, dass die Emma ein transfeindliches sowie auch islamfeindliches Schundblatt ist, ist uns bekannt, sowie dass sogenannte Terfs (trans exklusiv radical feminists) zustimmend Beifall klatschen und Politiker*innen aller weiteren Parteien sich inbrünstig von dieser Verletzung der Menschenwürde distanzieren, als wären sie nicht selbst daran beteiligt gewesen, das sogenannte Transsexuellengesetz bestehen bleiben zu lassen. Ja genau das menschenrechtsverletzende Gesetz, durch das trans* Personen langwierige, kostspielige, herabwürigende Verfahren durchlaufen müssen. Bis 2011 sogar mit Zwangssterilisation gekoppelt.

Vergangenes Jahr war das tödlichste für trans* und nicht-binäre Menschen seit Beginn des Trans Day of Remembrance, in vielen Staaten der USA wurde in dem vergangenen und diesem Jahr eine rekordhohe Anzahl von Anti-transgender Gesetzen vorgeschlagen und verabschiedet. In Texas wird bereits gegen Eltern, die ihre trans* Kinder supporten und behandeln lassen, wegen Missbrauchs ermittelt. Auch in Deutschland wünschen sich viele solche Verhältnisse.

Erst letztens wieder bot der Sender Arte den transfeindlichen und verschwörerischen Thesen Alexander Kortes (Kinder- und Jugendpsychologe) eine Plattform in der Sendung Square Idee. Alice Schwarzer promotet ihr Bullshitbuch in der Zeit, am Flensburger Rathaus weht zum 25.November eine „Terre de femme“ – Flagge. Querdenker*innen wünschen sich, dass Putin auch in den Westen einmarschiert, damit Männer wieder Männer sind und all der „Genderwahn“ endlich aufhört. Kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht irgendein Terf-Beitrag im Internet lese. Sie bedrohen Aktivist*innen, teilweise auch außerhalb des Internets. Ich weiß schon gar nicht mehr so recht, wie mensch auf so viel Dummheit und Hass überhaupt noch reagieren kann . Dass grade eine so vulnerable, marginalisiere Gruppe solchen Angriffen ausgesetzt ist, schmerzt, angesichts der Tatsache, dass trans* und nicht-binäre Jugendliche und Erwachsene viel häufiger an Depressionen und Angststörungen leiden. Ein Feminismus, der ausschließend ist und nur dafür kämpft, dass weiße, heterosexuelle endo-cis Frauen ein besseren Platz am Tisch der Mächtigen ergattern, ist kein Feminismus. (endo ist übrigens der Gegensatz zu inter, kennt kaum wer den Begriff)

Apropro der Tisch der Mächtigen. Vor ein paar Wochen ging ein Bild durch Social Media von einem Tisch der top CEOs der Rüstungsindistrie. Viele beklagten sich doch tatsächlich, dass dort nur alte, weiße Männer sitzen und forderten noch promt eine Frauenquote. Ich könnte kotzen bei sowas, Feminismus bedeutet für mich einen radikalen Umschlag der Verhältnisse. Nicht, dass jetzt FLINTA*s und Pocs mit am Tisch sitzen, nein es bedeutet die Zerstörung des Tisches und der Aufbau einer neuen, gerechteren Welt ohne Herrschaft, Kriegstreiberei und der kapitalistischen Verwertungslogik.

Wer vom Gender-pay-gap redet, muss auch davon reden, dass grade illigalisierte FLINTA*s in ausbeuterischen Verhältnissen arbeiten, vom Migration-gap, davon, dass Menschen mit Behinderung in Werkstätten für einen menschenunwürdigen Hungerlohn arbeiten. Dass Sexarbeiter*innen viel Stigmatisierung und Gewalt ausgesetzt sind,grade wenn sie people of color sind, grade wenn sie trans* sind.

Wer von der Geschichte der Frauenbewegung redet, muss auch von der Geschichte der Gay liberation reden, von Stonewall, von der kurdischen Revolution und schwarzem Feminismus. Unsere Kämpfe sind verstrickt und bauen aufeinander auf. Der intersektionale Feminismus versucht eben diese Form der Mehrfach-Diskriminierung sichtbar zu machen. Doch häufig bleibt das auch leider nur eine Floskel. In meiner instagram-timeline habe ich viele Berichte gelesen, dass Menschen dessen müde geworden sind. Viele mögen sich nicht einmal mehr am 8. März beteiligen. Weil Feministische Strukturen kein sicherer Ort für sie ist. Nicht-binäre, inter und trans Personen, die nicht mitgedacht werden, die fehlenden Perspektiven von Pocs, von jüdischen Menschen, indigenen Menschen, Menschen anderen Religionen, Menschen mit sichtbaren und nicht-sichtbaren Behinderungen, psychisch kranke Menschen, Menschen, die arm sind, Menschen die keinen Zugang zu Bildung und Ressourcen haben, Menschen, die häusliche und/oder sexualisierte Gewalt erlebt haben, Menschen die mehrgewichtig sind, Menschen, die als nicht normschön gelten, die als zu alt oder zu jung angesehen werden, angeblich zu viel oder zu wenig Sex haben, Menschen die alleinerziehend, oder auch gewollt kinderlos sind, Menschen, deren Sexualität und Beziehungsform abseits der Heteroehe liegt. Und vor allem die, auf die mehrere Zuschreibungen zutreffen.

And gues what: auch cis Männer können unter dem Patriarchat leiden, Feminismus ist eben für die Befreiung aller Geschlechter.

Unsere Kämpfe sind kein Nebenwiderspruch und auch kein Wohlstandsproblem, es wird niemandem irgendetwas weggenommen, wenn wir auch für Minderheiten kämpfen. Im Gegenteil, wir gewinnen dazu.

Wir müssen dabei wir gegen die Grenzen in unseren Köpfen und der Welt angehen. Das Patriarchat steckt in uns allen, denn wir sind in ihm sozialisiert worden. Es bedeutet Arbeit, Privilegien zu hinterfragen, sich zu reflektieren und sich immer wieder dazu zu entscheiden, unser Handeln nach unseren Werten zu formen. Wir alle sind gemeinsam dafür verantwortlich, das nicht zu einer Floskel verkommen zu lassen. Also beende ich dies mit der Bitte: hört Betroffenen zu und kämpft für- und miteinander.

No one is free until all of us are free

Bündnisdemo gegen rechtsoffene „Spaziergänge“

Am vergangenen Samstag waren wir Teil eines Bündnisses, das an drei verschiedenen Standorten ein Statement gegen rechtsoffene Spaziergänge gesetzt hat. Wir haben uns vom Rohrbruch in Kiel eine Schilderausstellung zu den Themen Sorgearbeit und patriarchaler Gewalt ausgeliehen und auf dem Nordermarkt aufgebaut. Außerdem haben wir einen Redebeitrag gehalten, den ihr hier nun nachlesen könnt:

Redebeitrag: Feministische Kritik an Coronapolitk

Als Feministisches Netzwerk und Aktionsgruppe sind wir heute hier, um ein deutliches Zeichen gegen rechtsoffene Spaziergänge mit Gewaltpotenzial hier in Flensburg zu setzen. Auch wir haben viel Kritik an der Corona-Politik der Bundes- und Landesregierung. Manche unserer Forderungen würden vielleicht auch einige der sogenannten Spaziergänger*innen unterschreiben.

Hier sei aber in aller Deutlichkeit gesagt: Es ist nicht hinnehmbar, wenn legitimer Protest gemeinsam mit menschenfeindlichen Akteur*innen organisiert und durchgeführt wird. Kein Zweck heiligt das Mittel, zusammen mit Nazis, Holocaust-Verharmloser*innen oder auch Nazi-Verharmloser*innen zu demonstrieren. Und dass es diese gibt, ist vielfach belegt dank antifaschistischer Recherchearbeit. Wer diese Infos kennt und immer noch fragt, „Wo sind denn hier die Nazis oder die Rechten?“, will sie einfach nicht sehen.

Wir solidarisieren uns daher ausdrücklich mit antifaschistischen Kleingruppen, die sich seit bald 2 Jahren und auch heute hier in Flensburg gegen Querdenken und Co. positionieren. Danke für die Recherche, danke für die Ausdauer und danke für das Risiko, das ihr dafür regelmäßig auf euch nehmt, denn mit Gewalt durch die sogenannten Spaziergänger*innen und durch Polizeikräfte ist dabei jederzeit zu rechnen.

Dass rechtes Gedankengut und Antisemitismus mit Frauenverachtung und Antifeminismus Hand in Hand gehen, ist keine Neuigkeit. Dies zeigt sich besonders anschaulich an Stickern, die nach den sogenannten Spaziergängen in der Innenstadt verteilt kleben und auf denen zum Beispiel die Impfempfehlung – interpretiert als ein Zwang – mit einer Vergewaltigung verglichen wird.

Ein anderes Motiv eignet sich eine feministische Kernforderung an: „My Body My Choice“ steht da, mit durchgestrichenen Spritzen in den beiden Os. „Mein Körper, meine Entscheidung“ wird aus dem Kontext von hunderte Jahre langem Kampf für das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche gerissen und für die Zwecke von Querdenker*innen missbraucht. Das ist eine Frechheit und macht mich umso wütender, wenn ich daran denke, dass in Flensburg seit über 2 Jahren für ein zuverlässiges Angebot von Schwangerschaftsabbrüchen protestiert werden muss.

Vergleiche der Impfempfehlung mit Vergewaltigungen oder Einschränkungen der Selbstbestimmung von schwangeren Personen sind völlig verfehlt und zeigen, dass den Querdenker*innen alles recht ist, um ihre kruden Mythen und Widerstandsfantasien aufrechtzuerhalten. Diese Menschen leisten keinen Widerstand gegen ein angebliches Unrechtsregime. Sie stützen diejenigen Strukturen, die Widerstand erfordern, nämlich Antisemitismus, Rassismus, Sexismus, Queerfeindlichkeit. Und Corona hat uns nicht in eine neue Krise gebracht, die Krise war schon vorher da – vor allem aufgrund von Kapitalismus, Patriarchat, Rassismus und Klimawandel.

Im Folgenden möchte ich auf einige Aspekte eingehen, die aus feministischer Perspektive besonders ins Auge fallen:

1. Care-Arbeit

Zu Beginn der Pandemie etablierte sich der Begriff der „systemrelevanten“ Arbeit und es schien möglich, dass Arbeiter*innen etwa aus den Bereichen Pflege oder Erziehung, Reinigung oder Supermarktverkauf mit ihren Kämpfen um bessere Arbeitsbedingungen und angemessene Entlohnung endlich Gehör finden könnten. Doch abgesehen von Applaus an den Fenstern für Pflegekräfte und einige Bonuszahlungen hat sich was grundlegend geändert? Richtig – nichts.

Diese Arbeiten werden überwiegend von Frauen getätigt und die Abwertung dieser Tätigkeiten dient der Erhaltung einer sexistischen Gesellschaftsstruktur.

Dies zeichnet sich erst recht in den privaten Haushalten ob, wo die unbezahlte Sorgearbeit ebenfalls überwiegend von Frauen verrichtet wird. In der Pandemie zeigt sich dabei die Tendenz eines Rückfalls in tradierte Rollenverteilungen. Alleinerziehende und Personen, die Angehörige pflegen, sind außerdem besonders starken Belastungen ausgesetzt und können kaum Unterstützung von staatlicher Seite erwarten.

Wir fordern eine materielle Aufwertung von Sorgeberufen und dass Einrichtungen der Fürsorge und Erziehung nicht nach ökonomischen, sondern nach sozialen Maßstäben ausgerichtet werden.

Außerdem: Das Private bleibt politisch – wir brauchen bedingungslose Grundsicherungen für alle Menschen und kollektive Fürsorgesysteme, die mehrfach belastete Sorgepersonen auffangen, statt diese in der Isolation im Stich zu lassen!

2. Gewalt in Partnerschaft und Familie

Ein weiteres Risiko der Vereinzelung und des Zurückgeworfenseins auf den privaten Haushalt ist der Anstieg von sogenannter häuslicher Gewalt, von der vor allem Frauen und Kinder betroffen sind. Wenn andere soziale Umfelder wie Arbeitsstelle, KiTa oder Schule wegfallen, wird Gewalt in Partnerschaft und Familie noch schwerer aufzudecken als ohnehin schon. Und genau diese Sorge hat sich in der Pandemie bestätigt.

Umso dramatischer, dass Hilfestellen schon vor der Pandemie unterfinanziert waren und immer wieder um öffentliche Gelder kämpfen müssen. So schlug der Landesverband Frauenberatung Schleswig-Holstein im März 2020 Alarm, denn die Pandemie fing gerade erst an und es gab ohnehin schon keinen einzigen freien Platz in den Frauenhäusern von Schleswig-Holstein und Hamburg.

Statt auf den Staat zu vertrauen, müssen sich Frauennothilfestellen vielerorts in Deutschland um private Spenden bemühen. Frauenhäuser sind übrigens kein selbstverständlicher Bestandteil staatlicher Fürsorge. Diese Einrichtungen wurden in den 70ern von autonomen Feministinnen aufgebaut und erst durch mühselige harte Arbeit so etabliert wie wir sie heute kennen – doch gesichert war ihre Existenz nie und das ist wirklich bitter.

Es ist daher überfällig, dass Hilfestellen für alle Geschlechter bedarfsgemäß ausfinanziert werden und so wirksame Schutzmaßnahmen sowie Prävention ermöglicht werden können.

3. Kinderschutz

Um nicht nur, aber besonders auch, Familien und Kinder in der Pandemie und danach zu unterstützen, halten wir einen grundlegenden Kurswechsel in dieser Gesellschaft und ihrer Politik für notwendig.

Einige Vorschläge:

    Es braucht viel mehr bezahlbaren und familienfreundlichen Wohnraum. Beengte Wohnverhältnisse stellen gerade in Zeiten wie diesen eine psychische Belastung dar und es darf nicht sein, dass Menschen auch deswegen schwer von gewalttätigen Beziehungspersonen – meist Männern – loskommen, weil sie keine bezahlbare Wohnung für sich und ihre Kinder bekommen.

    Außerdem: Armut ist ein nicht hinzunehmender Zustand, von dem in Deutschland jedes fünfte Kind betroffen ist. Armut war schon vor der Pandemie und ist jetzt erst recht ein Gesundheitsrisiko, das beseitigt gehört. Schluss mit erniedrigenden Systemen wie Hartz IV – Alle Menschen sollten ein Recht auf bedarfsgerechte Versorgung und gesellschaftliche Teilhabe haben.

    Und: Wir brauchen einen Ausbau in der psychiatrischen und therapeutischen Versorgung. Die psychischen Belastungen der Pandemie haben nachhaltige Folgen und müssen professionell aufgefangen werden. Es darf insbesondere nicht sein, dass Kinder und Jugendliche monatelang auf Wartelisten stehen und kaum Zugang zu psychologischer Unterstützung bekommen, wenn denn überhaupt erkannt wird, dass sie Hilfe benötigen.

Wir sagen also ganz klar: Masken und Tests gehören zu den geringsten Problem von Kindern und Jugendlichen in der Pandemie. Es wird Zeit für echte Veränderungen statt unter dem Deckmantel des Kindeswohls verschrobene Coronamythen zu verbreiten.

Zum Abschluss möchte ich nochmal wiederholen: Feminismus bedeutet, eine antifaschistische Grundhaltung zu vertreten und sich gegen jede Form von Antisemitismus, Rassismus, Behindertenfeindlichkeit, Klassismus und Queerfeindlichkeit zu positionieren. Diese Kämpfe müssen gemeinsam und solidarisch geführt werden.

Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit und lade euch ein, weitere Informationen in dieser Ausstellung nachzulesen.

Habt es gut und passt auf euch auf.

Workshop: Abgrenzen im Aktivismus

Abgrenzen im Aktivismus – Ein digitaler Schreibworkshop für Aktivist*innen aus Schleswig-Holstein und deutschlandweit

Sonntag, 13.02.2022 12-16 Uhr auf zoom

Schwierigkeiten, Aktivismus mit deinen eigenen Kapazitäten und Grenzen zu vereinbaren? Same, wir auch!
In diesem Schreibworkshop soll gemeinsam erarbeitet werden, wie es möglich sein kann, Aktivismus und mentale Gesundheit zu balancieren. Der Workshop bietet einen Input zu verschiedenen Rollen im Aktivismus und wir untersuchen dabei unsere Vorstellungen von „Aktivismus“ und „Self-care“.
Wir wollen euch dazu einladen, gemeinsam zu überlegen, wo unsere Stärken im Aktivismus liegen und wo wir besser auf unsere Grenzen achten und diese schützen müssen.
Wir werden uns gemeinsam mit den Themen Nachhaltigkeit im Aktivismus, Räume-halten und Selbstverteidigung mithilfe der Sprache beschäftigen.
Wie können wir durchs Schreiben einen selbstreflektierten Zugang zu diesen Themen finden? Let’s find out!

Nach den Schreibübungen werden wir immer eine freiwillige Austauschrunde einleiten, in der unsere (unfertigen) Ergebnisse gerne geteilt werden können.

Als Teilnehmer*innen braucht ihr keine Vorkenntnisse im Schreiben. Haltet einige Stifte und Papier bereit.

Anmeldung:
Melde dich bitte rechtzeitig an unter: limotelly@riseup.net
Es können 15 Personen teilnehmen. Sollte es mehr Anmeldungen als Plätze geben, werden BIPOC und_oder FLINTA* Personen bevorzugt behandelt.
Der Workshop ist für die Teilnehmenden kostenlos und wird von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Schleswig-Holstein finanziert.

Die Referent*innen
Dagat (er/ihm) ist in Hamburg künstlerisch und politisch aktiv. Als Teil der BIPoC Schreibgruppe BREAKROOM und des Kunstkollektivs Tiger.Riots ist er im kreativen Austausch mit Menschen, die auch Rassismus erfahren. Zudem gibt er diverse Workshops zum kreativen Schreiben und zur politischen Bildung. Seine Kunst und Texte stehen meistens in Beziehung zu Queerness, Arbeit, und Rassismus. Zurzeit bereitet er sich für ein künstlerisches Studium vor.

Limo (sie/ihr) ist 22 Jahre alt und kommt aus Hamburg. Als Spoken Word Künstlerin versucht sie Sprache als Mittel zu nutzen, um den Spagat zwischen Aktivismus und Heilung zu meistern. Neben dem Schreiben ist sie Mitglied bei ,,Tiger.riots‘‘ und ,,Power.of.poetry‘‘. Momentan arbeitet sie als Schreibworkshopgeberin, politische Bildungsreferentin und möchte dieses Jahr eine Weiterbildung als Schreibtherapeutin absolvieren.

29.11. – Protest vor dem Rathaus gegen Krankenhausplanung hinter verschlossenen Türen

Pressemitteilung Kundgebung und Pressekonferenz am 29.11.2021

Öffentliche Debatte über Schwangerschaftsabbrüche im Peelwatt-Klinikum wird vom Rathaus verhindert.

Der Stadtpräsident Hannes Fuhrig lädt die politischen Vertreterinnen und Vertreter am 29.11.2021 um 17:00 ins Rathaus zu einer interfraktionellen Sitzung Thema: „Krankenhausplanung“, welche dem informellen Austausch dient und nicht für die Öffentlichkeit vorgesehen ist. Teilnehmen sollen die Ev.-Luth. Diakonissenanstalt – Geschäftsführer Martin Wilde, Pastor Dirk Outzen, Ingo Tüchsen und das Malteser Krankenhaus St. Franziskus Geschäftsführer Klaus Deitmaring und die Leiterin der Krankenhaus-Abteilung des Sozialministeriums Silke Seemann. Die Presse, Besucherinnen und Besucher sind ausgeschlossen.

Aus Protest gegen diesen Ausschluss findet am Montag, 29.11.2021 vor dem Haupteingang „Am Pferdewasser“ des Rathauses ab 16:30 Uhr bis 19:30h eine Kundgebung der Feministischen Aktion Flensburg statt. Gespräche hinter verschlossenen Türen verhindern eine öffentliche Debatte über ernstzunehmende Lösungen für gesundheitlich sichere Schwangerschaftsabbrüche in Flensburg.

Ab 19h werden die Spioninnen des Netzwerkes Feministische Aktion Flensburg aus dem Rathaus berichten und Fragen beantworten. Zu dieser improvisierten Pressekonferenz, draußen vor dem Rathaus, laden wir herzlich alle Interessierte ein. Bitte warm anziehen und Heißgetränke mitbringen.

Hintergrund:

Da die DIAKO und das Franziskus Hospital zum 01.01.2023 fusionieren und in Zukunft gemeinsam auf Schwangerschaftsabbrüche verzichten wollen, ist eine Lösung für ungewollt Schwangere sehr dringend notwendig. Schon heute setzt die DIAKO die Patient*innen auf eine „Warteliste“ und verschärft damit die Situation, da nur bis zur 12. Woche straffrei abgetrieben werden kann bei sozialer Indikation.

Eine der wenigen verbliebenen Flensburger Praxen weist momentan Patient*innen ab wegen Überlastung. Zurzeit werden in Flensburg keine Abbrüche nach der 10. Schwangerschaftswoche mehr vorgenommen. Die naheliegenden Krankenhäuser Schleswig, Heide, Husum und Rendsburg weisen ungewollt Schwangere ab, wenn die Kapazitätsgrenzen erreicht sind. Es gibt auch vereinzelt Ärzt*innen in den Krankenhäusern, die aus Gewissensgründen Patient*innen abweisen.

Durch Wartelisten und veraltete gesellschaftliche Moralvorstellungen haben ungewollt Schwangere bereits heute große Hürden zu überwinden, um Zugang zu einem sicheren Schwangerschaftsabbruch zu erhalten. Das Recht auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung ist damit in großer Gefahr“, kommentiert Birte Lohmann. „Dies kann in Zukunft zu einem Rückschritt zu illegalen und gesundheitsgefährdenden Abtreibungsmethoden führen.“

Die katholische Ideologie zum Schwangerschaftsabbruch ist Teil des Problems. Eine Lösung kann es nur außerhalb der katholischen Moralvorstellungen geben.

Kundgebung gegen Gewalt an FLINTA* am 25.11.2021

25.11.2020 – 18 Uhr – Hafenspitze

An diesem Gedenk- und Aktionstag versammeln wir uns an der Hafenspitze , um der Opfer patriarchaler Gewalt zu gedenken und für eine Gleichstellung der Geschlechter zu kämpfen.

Am 25.11.1960 wurden die drei dominikanischen Schwestern Patria, Minerva und Maria Teresa Mirabal ermordet, weil sie der Widerstandsbewegung gegen den Diktator Trujillo angehörten. Sie wurden als „Hermanas Mirabal“ (Schwestern Mirabal) oder „Las Mariposas“ (Die Schmetterlinge) bekannt und als Symbol für den Widerstand gefeiert. 1981 riefen lateinamerikanische und karibische Feministinnen den 25. November zum Gedenktag für die Opfer von frauenfeindlicher Gewalt aus und die Vereinten Nationen griffen den Tag ab 1999 ebenfalls auf. Heute ist dieser als Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen bekannt.

Die Gewalt, die Frauen, Lesben, inter*, nichtbinäre, trans* und agender Personen (kurz: FLINTA*) erleben, hat viele Ausprägungen: Ob Femizide, „Häusliche“ Gewalt, sexualisierte Gewalt, digitale Gewalt oder Einschränkungen der körperlichen Selbstbestimmung in Recht und Medizin (etwa in Bezug auf Schwangerschaftsabbrüche oder durch das sogenannte Transsexuellengesetz) – lasst uns gemeinsam auf das Thema aufmerksam machen und dabei besonders auf Überschneidungen von Diskriminierungen etwa aufgrund von Rassismus, Behindertenfeindlichkeit (Ableismus), Transfeindlichkeit, Queerfeindlichkeit und Klassismus achten!

Bringt gerne eigene Schilder, Transpis und Kerzen mit!
Update: Es gibt außerdem einen Demonstrationszug von der Roten Straße 19 durch die Fußgängerzone zur Hafenspitze. Auf diesem Wege wollen wir zusötzlich laut und sichtbar sein – schließt euch gerne an!

Zeit für Meuterei – Aktionstage für sichere Schwangerschaftsabbrüche in Flensburg

Vom 18.09. bis 28.09. wird das Segelboot „beeden scheef“ unter lila Flagge an der Flensburger Hafenspitze festmachen. Das Netzwerk „Feministische Aktion Flensburg“ wird 11 Tage lang zwischen dem Liegeplatz der MS Sønderborg und den schwimmenden Gärten die Forderung nach sicheren Schwangerschaftsabbrüchen sichtbar machen.

Der Auftakt am 18.09. ist bewusst gewählt: An diesem Tag findet in Berlin der sogenannte „Marsch für das Leben“ statt, zu dem Abtreibungsgegner*innen aus ganz Deutschland mobilisieren. Die Feministische Aktion Flensburg solidarisiert sich mit den Gegenprotesten in Berlin und bundesweit. Höhepunkt der Aktionstage wird der 28. September sein, dem International Safe Abortion Day, der sich auch in Deutschland als bundesweiter Aktionstag für sichere Schwangerschaftsabbrüche etabliert.

Mit diesen Aktionstagen wird neben der Forderung der Streichung des Paragrafen 218 im Strafgesetzbuch auch die bedrohte Versorgungslage in Flensburg thematisiert.

Ab 2023 werden mit der abgeschlossenen Fusion der kirchlichen Träger der Diakonie und der Malteser Schwangerschaftsabbrüche nicht länger in einer Klinik möglich sein, außer in sogenannten medizinischen Notfällen.

Die Ratsversammlung der Stadt Flensburg hat 2019 mehrheitlich den Beschluss gefasst, dass Abbrüche auch im geplanten Zentralklinikum am Peelwatt möglich sein müssen. Doch ein konkretes politisches Handeln bleibt bisher aus. Auch ein offener Brief an die Oberbürgermeisterin Simone Lange vom 15.05.2021 ist bisher unbeantwortet.

Wenn die kirchlichen Träger sich ihrer Verantwortung entziehen und die Landesregierung sowie die Stadt Flensburg sich handlungsunfähig zeigen, so muss wohl eine kreative Lösung her.

Eine Möglichkeit könnte ein Abtreibungsschiff sein, wie es die niederländische Organisation Women on Waves zur Durchführung medikamentöser Abbrüche in internationalen Gewässern nutzt.

Wir könnten unter dänischer Flagge nach dänischem Recht ohne Beratungszwang und Wartefrist an Bord Abtreibungen durchführen. Gut, dass Flensburg direkt an der dänischen Grenze liegt“ sagt Nautikerin Birte Lohmann. So werde nicht nur die Versorgungslage in Flensburg gebessert sondern zudem ein Prozess ohne Stigmatisierung durch den Paragraf 218 StGB ermöglicht. Das Folkeboot „beeden scheef“ steht für diese Idee.

Ein solches Schiff wäre eine Zwischenlösung bis auch Deutschland endlich den sicheren, legalen und kostenfreien Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen ermöglicht, wie es internationale Vereinbarungen zu Menschenrechten beinhalten.

Die Feministische Aktion Flensburg fordert: Das neue Klinikum am Peelwatt gehört nicht in die Hände von kirchlichen Trägern. Ein zukunftsweisendes Krankenhaus gehört in öffentliche Hand. Das Personal des Franziskus-Hospitals sowie der DIAKO soll dabei selbstverständlich übernommen werden. Die verantwortlichen Führungskräfte müssen von Bord gehen. Das Leitbild wird sich ändern. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit hat keinen Platz in einem modernen Klinikum.

Daher braucht es eine Meuterei: Jeden Nachmittag ab 14:00 Uhr wird ein Über-Bord-Manöver an der Hafenspitze durchgeführt.

Die Menschen in Flensburg und Umgebung müssen sich in Zukunft auf eine ideologiefreie medizinische Versorgung verlassen können. Nur eine Minderheit von ca. 6% der schleswig-holsteinischen Bevölkerung gehört der katholischen Glaubensgemeinschaft an, wobei fraglich bleibt, wie viele von diesen die Entscheidungsfreiheit von ungewollt Schwangeren ablehnen.

Das Recht auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung ist nicht verhandelbar.

Hintergrund

Am 28.09.21 findet der internationale Safe Abortion Day als bundesweiter Aktionstag statt. Das Netzwerk „Feministische Aktion Flensburg“ beteiligt sich im Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung mit zahlreichen Aktivitäten und fordert die Streichung des §218 und 219a aus dem Strafgesetzbuch. Weitere Informationen unter: https://wegmit218.de/

1995 haben die Stadt Flensburg und die DIAKO vertraglich vereinbart, dass Schwangerschaftsabbrüche mit der Übernahme des städtischen Frauenklinikums weiterhin nach den Vorgaben der §§ 218 ff. durchgeführt werden. Durch die Fusion mit dem Franziskus-Hospital wird die DIAKO vertragsbrüchig gegenüber der Stadt Flensburg und „verzichtet“ nun auf diese medizinische Leistung mit der Begründung sich nun nach der katholischen Ethik orientieren zu wollen, da diese Ethik angeblich mehr Leben schütze.

Tatsache ist, dass Schwangerschaftsabbrüche immer vorgenommen werden. Statistisch gesehen hat ca. jede vierte Frau einmal in ihrem Leben einen Abbruch. Selbst wenn sie verboten sind, finden Schwangerschaftsabbrüche statt. Sie werden dann allerdings illegalisiert durchgeführt und stellen damit für die Betroffenen ein hohes gesundheitliches Risiko dar.

In Deutschland wird im § 218 geregelt, unter welchen Indikationen ein Abbruch für die Ärztin/den Arzt sowie die ungewollt schwangere Person straffrei bleibt. Um den dazugehörigen § 219a sind im Bundestag in den letzten Jahren erneut Debatten aufgekommen. Der § 218 soll aus dem Strafgesetzbuch raus und der entmündigende Beratungszwang aufgehoben werden. § 219a verbietet die „Werbung“ durch Ärzt*innen für Schwangerschaftsabbrüche und verhindert damit wichtige Informationen für die Betroffenen. Die Abtreibungsärztin Kristina Hänel führt dagegen Klage vor dem Bundesverfassungsgericht.

Offener Brief an Simone Lange

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Simone Lange,

vor über 18 Monaten ist der Flensburger Öffentlichkeit bekannt geworden, dass mit der Fusion von Diako und St. Franziskus-Hospital zum neuen Zentralklinikum das Angebot von klinischen Schwangerschaftsabbrüchen, wie es bisher bei der Diako bestand, wegfallen wird. Wir als Flensburger*innen waren und sind fassungslos und wenden uns heute als Teil einer kritischen Öffentlichkeit mit diesem offenen Brief an Sie, um unserer Frustration Raum in der Debatte zu verschaffen.

Die Reaktionen einiger Verantwortlicher in der Kommunal- und Landespolitik erweckten bei uns den Eindruck, dass eine Begrenzung der Entscheidungsfreiheit sowie der Versorgungsmöglichkeiten von ungewollt Schwangeren im Namen einer katholischen Ethik lediglich ein Kollateralschaden sei, der in Kauf genommen werden müsse für das hochmoderne Klinikum. Diese Einschränkung ist unseres Erachtens allerdings alles andere als modern und absolut inakzeptabel. 

Für Sie, Frau Lange, schien die künftige Versorgungslage in Bezug auf Schwangerschaftsabbrüche zunächst kein Problem darzustellen. Am 17. Oktober 2019 wurden Sie in der SHZ mit folgender Äußerung in Bezug auf die Fusion zitiert: “Als Oberbürgermeisterin erfüllt mich das mit großem Stolz.” Im selben Artikel wird auch der Wegfall des Angebots von Schwangerschaftsabbrüchen publik. 

Erst nach öffentlicher Kritik nahmen auch Sie sich des Themas an. Allerdings nicht etwa mit einer klaren Position und transparenten Abläufen, sondern mit einem Runden Tisch hinter verschlossenen Türen. Die Öffentlichkeit, die von dieser Entscheidung unmittelbar betroffen ist, wurde nicht mit einbezogen. Anfragen blieben unbeantwortet, Informationen gab es oft nur nach mühseligen Recherchen. So standen wir im November 2019 vor dem Rathaus und demonstrierten in der müden Hoffnung, dass auch diejenigen, die von dieser Entscheidung betroffen sind, Gehör finden.

Die eingeladenen Vertreter der Diako und Malteser hatten ihre Entscheidung bereits getroffen und zeigten keinerlei Bereitschaft für Zugeständnisse. Interessierte Bürger*innen und Engagierte wurden bewusst fern gehalten und viele Stimmen blieben ungehört. Sie hingegen verkauften dieses Treffen als konstruktiven Austausch. Folgen schien dieser aber lange nicht zu haben.

Der Eindruck, den Sie dabei erzeugten – neutral vermitteln zu wollen, statt selbst Stellung zu beziehen – führte genau zum Gegenteil: Mit Ihrer angeblichen Neutralität haben Sie der Position der Malteser und Diako und deren menschen- und frauenfeindlichen Einstellung zu Schwangerschaftsabbrüchen Rückenwind gegeben und die Anliegen von Betroffenen untergeordnet. Auch das ist eine Positionierung. 

Stattdessen hätten Sie den Anlass dazu nutzen können, um aufgrund derartig alarmierender Entwicklungen in Schleswig-Holstein an die Bundesebene zu appellieren und einen lange überfälligen rechtlichen Wandel der rückständigen Gesetze zu fordern. Sie hätten das Thema auf die Agenda bringen können. 

In den letzten Monaten wurden jedoch trotz offener rechtlicher Fragen weiterhin Fakten geschaffen, während Ausschüsse und andere wichtige Gremien zur Aushandlung der Thematik coronabedingt nur eingeschränkt tagen können.
Uns stellt sich beispielsweise die Frage: Verliert der 1995 zwischen Stadt und Diako abgeschlossene Vertrag über die Aufrechterhaltung des Versorgungsangebots der übernommenen Frauenklinik mit der Fusion seine Gültigkeit? Oder ist die Diako weiterhin zur Vorhaltung des Angebotes verpflichtet?

Die derzeit angestrebte “Lösung”, eine kommunale Facharztstelle des Gesundheitsdienstes zu etablieren und so das Versorgungsangebot sicherzustellen, wird in Zukunft hoffentlich die dringend notwendige Versorgung sichern. Jedoch ist sie auch ein Eingeständnis: Ungewollt Schwangere bleiben stigmatisiert und eine aus der Zeit gefallene Weltsicht der katholischen Konfession wird als Argumentationsgrundlage der Träger eines hochmodernen Klinikums akzeptiert. Und dabei gehören dieser Konfession nur etwa sechs Prozent der Bevölkerung Schleswig-Holsteins an. Das ist wahrlich empörend.

Von Ihnen als Oberbürgermeisterin erwarten wir, dass Sie die Gleichstellung der Geschlechter und das Ende der Fremdbestimmung über gebärfähige Körper in all Ihren politischen Entscheidungen mitbedenken und keine weiteren Rückschritte zulassen. Wir fordern bei künftigen Entscheidungen Transparenz, einen Dialog mit den Bürger*innen sowie die Beteiligung relevanter Expert*innen und Interessengruppen.

Im Anschluss an die globale Pro-Choice-Bewegung fordern wir die Legalisierung und Entstigmatisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, sodass Menschen nicht länger in der Entscheidungsmacht über ihre eigenen Körper eingeschränkt werden. Selbstbestimmungsrechte und die Anerkennung ungewollt Schwangerer als mündige Personen sollten nicht verhandelbar sein.

Wenn mit den derzeitigen Mehrheiten in den Parlamenten und Ratssitzungen nicht für reproduktive Rechte, insbesondere von ungewollt Schwangeren, gearbeitet wird, muss die Zivilgesellschaft weiterhin die Rolle übernehmen, die Beteiligung an demokratischen Prozessen einzufordern. Wir werden demnach weiterhin Druck aufbauen, uns für unsere Rechte und für Gleichberechtigung einsetzen und intransparentes Handeln anprangern. 

Heute, am 15. Mai findet der bundesweite Aktionstag zum 150. Jahrestag des § 218 StGB statt. Auch in Flensburg nutzen wir diesen Anlass, um für die Legalisierung und Enttabuisierung von Schwangerschaftsabbrüchen zu kämpfen und die Fusion auf Kosten der körperlichen Selbstbestimmung zu problematisieren. 

Mit freundlichen Grüßen,

Feministische Aktion Flensburg                                   Flensburg, den 15.05.2021

 

Dieser Brief erhielt im Rahmen unserer Kundgebung am 15.05. auf dem Südermarkt 83 Unterschriften.

Informationen zu legalen Schwangerschaftsabbrüchen

My body, my choice!
Informationsfreiheit statt Geheimhaltung

Zu einer freien Gesellschaft gehört Informationsfreiheit: Alle Menschen, insbesondere Frauen und Menschen mit Gebärmutter, müssen sich frei über Möglichkeiten eines Schwangerschaftsabbruchs informieren können.

Weil Ärzt:innen diese wichtigen Informationen aufgrund informationsfeindlicher Regelungen in § 219a StGB nicht mehr selbst bereitstellen dürfen, stellen wir hier wichtige Informationen zum Ablauf legaler Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland bereit. Verbreiten Sie sie gerne weiter. § 219a muss weg!

Gesetzliche Voraussetzungen für einen legalen Schwangerschaftsabbruch

Für einen legalen Schwangerschaftsabbruch in Deutschland benötigen Sie entweder

  • eine schriftliche Bescheinigung über eine Beratung bei einer nach § 219 StGB bzw. § 7 SchKG anerkannten Beratungsstelle oder
  • eine schriftliche ärztliche Bescheinigung über das Vorliegen einer medizinischen oder kriminologischen Indikation nach § 218 StGB

Durchführung eines Schwangerschaftabbruchs

Es gibt drei Methoden des Schwangerschaftabbruchs: medikamentös, chirurgisch mit örtlicher Betäubung sowie chirurgisch mit Vollnarkose. In der Regel übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Kosten der Behandlung nur, wenn sie aus medizinischer Sicht angezeigt ist.

Der Verlauf ist in der Regel folgendermaßen: Sie treffen in einer behandelnden Arztpraxis ein, Ihre Unterlagen werden auf Vollständigkeit überprüft. Danach findet ein Aufnahmegespräch mit der Arzthelferin oder Krankenschwester statt. Diese Kollegin bleibt dann in der Regel die Bezugsperson während des gesamten weiteren Aufenthaltes. Im Anschluss findet das Gespräch mit der Ärztin statt. Vor dem Schwangerschaftsabbruch führt die Ärztin eine Tastuntersuchung zur Bestimmung der Lage und Größe der Gebärmutter durch. Ebenso wird eine Ultraschalluntersuchung gemacht, um das Schwangerschaftsalter zu bestimmen.

Der weitere Verlauf unterscheidet sich beim medikamentösen und chirurgischen Abbruch.

Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch

Ein medikamentöser Abbruch ist in Deutschland nur bis zum 63. Tag nach der letzten Regel möglich (entspricht dem 49. Tag nach der Empfängnis). Das benutzte Medikament ist ein künstliches Hormon (Mifepriston), das die Wirkung des Hormons Progesteron blockiert. Progesteron ist entscheidend an der Entwicklung und Erhaltung der Schwangerschaft beteiligt. Für die medikamentöse Methode sind in der Regel zwei Termine in einer Praxis erforderlich.

Beim ersten Besuch erfolgt die Untersuchung mit Ultraschall. Sollte die Fruchtblase noch nicht im Ultraschall zu sehen sein, ist eine Bestimmung des Schwangerschaftshormons -HCG im Blut erforderlich.

Anschließend werden drei Tabletten des Medikamentes unter ärztlicher Aufsicht eingenommen. Oft kommt es bereits am folgenden Tag zur Blutung. In drei Prozent der Fälle wird das Schwangerschaftsgewebe ohne weitere Behandlung in den nächsten beiden Tagen ausgestoßen. Auch in diesem Fall ist ein zweiter Besuch zur Kontrolle erforderlich. Viele Patient:innen spüren jedoch keine körperliche Veränderung. Beim zweiten Besuch in der Praxis muss mit drei bis vier Stunden Aufenthalt gerechnet werden. Patient:innen bekommen mehrere Tabletten des Medikaments Prostaglandin, das die Ausstoßung des Schwangerschaftsgewebes fördert. Bei vielen Patient:innen kommt es zu Kontraktionen der Gebärmutter und Blutungen setzen ein. Sollte es nach zwei bis drei Stunden nicht zu einer Blutung gekommen sein, wird die Gabe des Medikaments wiederholt und eine Stunde später kann die Praxis in aller Regel verlassen werden.

Bei vielen Patient:innen kommt es während des Aufenthaltes in der Praxis zum Ausstoßen der Fruchtblase, aber bei jeder vierten Frau setzen die Blutungen sogar erst nach 24 Stunden ein. Sollte also nicht innerhalb der drei bis vier Stunden die Fruchtblase ausgestoßen sein, so ist das kein Grund zur Beunruhigung.

Nebenwirkungen und Komplikationen

Mögliche Nebenwirkungen sind Unterleibsschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Die Blutungen können stärker sein als beim chirurgischen Abbruch oder bei Ihrer Periode und länger anhalten. In ca. 1-4% versagt die Methode. Bei einer weiter bestehenden Schwangerschaft ist eine chirurgische Beendigung des Abbruchs notwendig.

Gründe gegen die medikamentöse Methode

  • Konkreter Verdacht auf eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter (z.B. im Eileiter)
  • Unverträglichkeit von Prostaglandinen
  • Allergie gegenüber Mifepriston
  • Chronische Nebenniereninsuffizienz
  • Schweres Asthma (Einnahme von Cortisontabletten.)
  • Leber- und Nierenversagen

Eine evtl. liegende Spirale muss entfernt werden.

Chirurgischer Schwangerschaftsabbruch

In der Regel erhalten Patient:innen ca. eine Stunde vor Beginn des Eingriffs Medikamente, die die Gebärmutter vorbereiten (Priming). Dadurch wird das Risiko, die Gebärmutter beim Eingriff zu verletzen, verringert. Der chirurgische Schwangerschaftsabbruch kann entweder unter lokaler Betäubung oder mit Vollnarkose durchgeführt werden. Bei einer örtlichen Betäubung wird das Betäubungsmittel in den Muttermund gegeben. Dies wird von vielen Patient:innen gar nicht bemerkt, obwohl die Angst davor oft groß ist. Die Nerven am Muttermund reagieren zwar auf Druck sehr empfindlich, aber nicht auf Berührung.

Die Vollnarkose wird durch eine Narkoseärztin durchgeführt. Die Narkosemittel werden über eine in die Armvene gelegte Nadel gegeben. Kurz darauf wird die Patient:in müde und schläft ein, sodass sie sich später nicht mehr an den Eingriff erinnern kann. Oft erinnern die Patient:innen nicht einmal, dass Sie nach ca. 15 Minuten, wenn der Eingriff beendet ist, selbständig in den Ruheraum gelaufen sind.

Zur Vorbereitung des Absaugens wird der Muttermund mit Dehnungsstäben geöffnet. Mit einem Plastikröhrchen wird anschließend das Schwangerschaftsgewebe abgesaugt. Dabei wird auch die obere Schleimhautschicht mit entfernt, die normalerweise bei der Periode abblutet. Das Absaugen dauert nur wenige Minuten. Am Ende zieht sich die Gebärmutter zusammen, um die Blutung zu stoppen, was in etwa dem Gefühl bei der Menstruation oder den Nachwehen nach einer Geburt entspricht. Es folgt eine Kontrolle, ob die Gebärmutter vollständig entleert ist. Auch das abgesaugte Gewebe wird kontrolliert.

Komplikationen

  • Entzündungen der Unterleibsorgane
  • Gewebereste, die zu verstärkten Blutungen oder auch zu Entzündungen führen können. In seltenen Fällen muss ein weiterer Eingriff erfolgen
  • Allergische Reaktionen auf Medikamente
  • Verletzungen der Gebärmutter oder des Gebärmutterhalses sowie angrenzender Gewebe

Bei ernsten Komplikationen kann eine Verlegung ins Krankenhaus erforderlich sein.

Begleitpersonen

Oft ist es hilfreich, eine Begleitperson zum Abbruch mitzubringen, z.B. Partner:innen oder andere Begleitpersonen wie Freund:innen und Verwandte. Sollte ein Schwangerschaftsabbruch in örtlicher Betäubung gemacht werden, ist es auch möglich, sich beim Abbruch in den Behandlungsraum begleiten zu lassen. Ansonsten kann die Begleitperson in der Regel im Ruheraum bei Ihnen sein.

Nach dem Abbruch

Bis zu 24 Stunden nach dem Eingriff sollten Patient:innen nicht selbst Auto fahren. Eine Nachuntersuchung bei Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt ist ca. 14 Tage nach dem Abbruch erforderlich. (Beim Medikamentösen Abbruch zwischen dem 10. und 14. Tag nach Mifegyne-Einnahme). Nur dann kann gewährleistet werden, dass der Abbruch vollständig war und keine gesundheitlichen Nachteile entstehen.

Verhütung

Der erste Eisprung nach dem Abbruch findet nach ca. zwei bis vier Wochen statt. Dementsprechend setzt die nächste Regelblutung nach vier bis sechs Wochen ein. Da Patient:innen direkt nach dem Abbruch wieder empfängnisbereit sind, sollte die Frage der anschließenden Verhütung geklärt sein. Bitte besprechen Sie dieses Thema mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt.

Zur Unterstützung der Gebärmutterrückbildung ist es möglich, direkt mit der Pille zu beginnen. Dies wird aus medizinischen Gründen für den medikamentösen Abbruch empfohlen.

Essen und Trinken, Medikamente

2 Tage vor dem Eingriff dürfen kein Aspirin oder sonstige Mittel mit Acetylsalicylsäure eingenommen werden. Sollten Sie andere Blutverdünnende Medikamente nehmen oder eine Blutgerinnungsstörung haben, sollten Sie mit Ihrer Ärztin vorab das weitere Vorgehen besprechen.

Beim chirurgischen Abbruch mit örtlicher Betäubung ist es sinnvoll, eine leichte Mahlzeit zu sich zu nehmen, aber nicht später als zwei Stunden vorher. Beim chirurgischen Abbruch mit Vollnarkose dürfen Sie 6 Stunden vorher auf keinen Fall essen, trinken oder rauchen. (Nikotin regt die Magensäure an und im Notfall könnte säurehaltige Flüssigkeit in die Lunge gelangen!) Bis 1 Stunde vor dem Termin können Sie klare Flüssigkeit (ohne Milch und Zucker) zu sich nehmen.

Was muss zum Termin mitgebracht werden?

  • Beratungsbescheinigung über die nach § 219 StGB durchgeführte Beratung oder Indikation nach § 218 StGB
  • Blutgruppennachweis
  • Versichertenkarte
  • Kostenübernahmebescheinigung oder Bargeld
  • Überweisungsschein der Frauenärztin/des Frauenarztes

Es sollte bequeme Kleidung getragen werden sowie Damenbinden, Socken und ein Badehandtuch.

 

Quelle: https://fragdenstaat.de/aktionen/219a/

Fotodokumentation vom 8. März 2021

Danke für diese obigen Bilder an Hanna Poddig!

Wir bedanken uns bei allen, die diese Kundgebung unter erschwerten Bedingungen möglich gemacht und auf vielfältige Art unterstützt haben. Dank geht auch raus an diejenigen, die uns Bilder für Instagram geschickt haben und im Geiste bei uns waren. Wir denken auch an all jene, die aus verschiedenen Gründen den 8. März nicht kämpferisch begehen konnten. Eure Perspektiven sind wichtig und wir möchten weiter daran arbeiten, diese besser einzubeziehen.